Volksmusik hat mit Tradition und der Herkunft zu tun. Finden Sie hier einen Auszug wichtiger Ereignisse

 

„Volkskultur in Tirol in der NS-Zeit“ – das Thema ist seit der missglückten Kommentierung einer CD und seit der Rückbenennung der Landesmusikschule Kramsach in aller Munde. Was eigentlich schon lange bekannt war, wurde nun Gegenstand öffentlicher Diskussion: die Verstrickung der Tiroler Blasmusikkapellen in die nationalsozialistische Instrumentalisierung der Volkskultur im Reichsgau Tirol-Vorarlberg. Wie steht es nun um die Volksmusikpflege und -forschung der Jahre 1938-1945? Denn nicht erst in einem vom Land Tirol in Auftrag gegebenen Historikergutachten, sondern schon in älterer Literatur wurde darauf hingewiesen, dass auch Persönlichkeiten der Volksmusik in Tirol und Südtirol in unterschiedlichem Ausmaß dem Nationalsozialismus zuarbeiteten: Karl Horak, Josef Eduard Ploner, Nobert Wallner, Sepp Tanzer, Fritz Engel, Sepp Thaler, Alfred Quellmalz. Wie war ihre Position im Dritten Reich? Was trugen sie zur politisch-propagandistischen Vereinnahmung der musikalischen Volkskultur in Tirol bei? In einer musikhistorischen Studie geht Thomas Nußbaumer, Dozent für Volksmusikforschung an der Universität Mozarteum Salzburg (Abteilungsbereich Musikalische Volkskunde, Innsbruck), dieser Frage nach.

Gesamter Bericht von Thomas Nußbaumer als PDF: Volksmusik in Tirol in NS

Franz Friedrich Kohl

Am 13.Jänner 1851 wird Franz Friedrich Kohl in St.Valentin auf der Heide geboren. Nach dem frühen Tod des Vaters übersiedelt die Mutter nach Bozen. Dort besucht Kohl auch das Gymnasium. Pater Vinzenz Gredler, selber Naturforscher, weckt in Kohl das Interesse für die Naturwissenschaften. Bereits als Gymnasiast unternimmt Kohl in Begleitung von zwei Schulkollegen seine ersten Wanderungen.

Wegen des einnehmenden, unterhaltsamen Wesens Kohls und auch wegen des sauberen dreistimmigen Singens sind die drei überall gern gesehene Gäste. Schon in dieser Zeit legt Kohl den Grundstein für seine Volksliedsammlung. Seine vielseitige Begabung lässt ihn schwanken, ob er Gelehrter, Maler oder Sänger werden soll. Schließlich entscheidet er sich für das Studium der Naturwissenschaften, das er an der Universität in Innsbruck absolviert. Seine sängerische Begabung, er besitzt einen herrlichen Bariton, reicht so weit, dass er gelegentlich bei Opernaufführungen in Innsbruck auf der Bühne steht.

Kohl wird zuerst Lehrer an der Lehrerbildungsanstalt in Bozen, dann an der Lehrerbildungsanstalt in Innsbruck. Er gibt das Lehrerdasein aber bald zugunsten seiner wissenschaftlichen Tätigkeit auf. Sein Spezialgebiet sind die Insekten, die Hautflügler. Zunächst geht er nach Genf, dann nach München, schließlich nach Wien an das Naturhistorische Hofmuseum, wo er sich bis zum Kustos, Regierungsrat und schließlich zum Hofrat emporarbeitet. Seine große Bedeutung als Naturforscher, er hat auf diesem Gebiet Weltgeltung, sowie seine diesbezüglichen Veröffentlichungen, die heute noch grundlegend sind, mögen von anderer Seite gewürdigt werden.

Seine große volkskundliche Arbeit erbringt er in seiner Freizeit. Dreißig Jahre lang zieht er in den Ferien durch alle Täler Tirols und zeichnet weit über 1000 Lieder auf. Er geht dabei exakt vor, wie in der Naturwissenschaft und zeichnet nicht nur die Melodien, sondern auch die Texte mit größter Genauigkeit und Sorgfalt auf. Er entwickelt eine spezielle Schreibweise, um die Mundart möglichst genau wiedergeben zu können. 1899 erscheint der erste Band unter dem Titel „Echte Tiroler Lieder“. Dieser Band und die drei Ergänzungshefte sind in Kürze vergriffen, sodass es zu einer erweiterten Neuausgabe in zwei Bänden (1913 und 1914/15) kommt. Kohl bringt dafür größte persönliche Opfer. Es ist nicht nur die jahrzehntelange Mühe des Sammelns.

Da kein Verlag und auch keine offizielle Stelle das Risiko übernehmen wollen, entschließt sich Kohl, den teuren Notensatz aus eigener Tasche zu bezahlen. Viele Jahre muss er die Schulden abzahlen und kommt sogar noch in finanzielle Not. Weitere Ausgaben sind die „Heiteren Volksgesänge aus Tirol“ von 1908 und „Die Tiroler Bauern-hochzeit“ aus dem gleichen Jahr (erschienen in der Reihe „Quellen und Forschungen zur deutschen Volkskunde“, herausgegeben von Karl Blümml). In einer Zeit, wo das Volklied in Tirol noch allenthalben blühte, konnte Kohl noch die schönsten Volkslieder finden und festhalten. Ein Großteil unserer heutigen Volksliedpflege baut auf Kohls Werk auf.

Bei seinen Sammelfahrten kommt Kohl sicher seine mitreißende und fröhliche Art zugute. Gerne vertrauen etwa die Gewährs-
leute im Schlerngebiet, der „blinde Heindl“ (Heinrich Mulser)aus Kastelruth, oder in St.Johann, Elisabeth Blattl Kohl ihre Lieder-schätze an, der sich auch sehr darüber freut, wie er merkt, dass seine ausgegrabenen Lieder wieder von Mund zu Mund zu gehen beginnen. Auch in Telfs war Kohl einige Male zu Gast und hat durch die Gewährsleute Michael Nagele und Joseph Pöschl einige Lieder seiner Sammlung hinzufügen können.

Seinen Lebensabend verbringt er in Traismauer. Den Verlust seiner Heimat Südtirol kann er wohl nie verwinden. Zu seinem 70.Geburtstag wird er aus aller Welt mit Ehren überhäuft. Kohl stirbt am 15.Dezember 1924 in Traismauer.

Sämtliche das Volkslied betreffenden Sammlungen und Schriften wurden im Jahr 1999, anlässlich des 75. Todestages Kohls zu einer dreibändigen Gesamtausgabe zusammengefasst.
„Echte Tiroler Lieder“, herausgegeben vom Tiroler Volksmusikverein, dem Südtiroler Volksmusikkreis, in Zusammenarbeit mit dem Tiroler Volksliedwerk, dem Institut für Musikerziehung, Bozen und dem Institut für musikalische Volkskunde der Universität Mozarteum Salzburg. (Dort ist auch eine ausführliche Biografie enthalten.)
Verlag Tyrolia, Innsbruck-Wien

Benutzte Literatur: Richard Wolfram, Franz Friedrich Kohl. Sein Leben und sein Bedeutung für das Volkslied in Tirol. Beiträge zur Volksmusik in Tirol, Innsbruck 1978.

Peter Reitmeir

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